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Kanusportler demonstrieren gegen Werra-Versalzung
Was der sicher sehr einflussreiche Herr vergaß: Es gibt ganz in der Nähe von Gerstungen ein paar sehr engagierte Paddler im Kanu-Club Rennsteig in Hörschel. Die sind mindestens ebenso unbequem wie der Bürgermeister und luden ein zu einer Protest-Kundgebung, die am 1. Mai große Beachtung in den Medien fand. Trotz aller Aktionen, die üblicherweise am Tag der Arbeit stattfinden, war der Nachrichtenblock über die Werra-Demo im MDR-Radio der größte, und sogar die ARD-Tagesschau berichtete in Wort und Bild. Klar, wenn die Hauptrednerin die Bundestags-Vizepräsidentin ist. Aber sie war nur eine unter etwa 400 Demonstranten, die für ein ganz bestimmtes Anliegen standen: Die Kalilauge muss raus!
Voller
Überzeugung Wenn so viele hochrangige aktive und ehemalige Funktionäre bei einem Kanutreffen sind und sich auch noch aktiv an einer Protestaktion beteiligen ... Was zeugt mehr von persönlichem Einsatz und davon, dass sie voller Überzeugung hinter dem stehen, was sie in all den Jahren ihres Ehrenamtes gesagt und getan haben?
Finanzen im Bayerischen Kanu-Verband), Brigitte Schäfer (frühere Vizepräsidentin Organisation im Bayerischen Kanu-Verband) und Manfred Schäfer (ehemaliger Vizepräsident Leistungssport im Bayerischen Kanu-Verband).
Zugpferd
Göring-Eckert Weit über 100 Kanusportler aus neun Landes-Kanuverbänden zwischen Hamburg und Donauwörth waren dem Aufruf des Kanu-Clubs Rennsteig gefolgt und nach Thüringen gekommen. Für alle war es selbstverständlich, sich mit deren „Machern“ Rainer Strunze und Vereinsvorsitzendem Gerhard Liebau solidarisch zu zeigen und sich zum Anlass der Demonstration zu bekennen: für eine lebensfähige, lebensspendende, gesunde Werra - gegen die bisherigen und weiteren Einleitungen von Kalilauge. Sie setzten sich damit entschieden für eine gesunde Umwelt insgesamt ein, denn das Salz ist dabei, eine ganze Landschaft folgenschwer zu verändern, ja zu töten.
massiven Salzeinleitungen des Unternehmens K+S zu tun gedenke und hatte Kontakt mit ihr aufgenommen.
Artensterben
bei Flora und Fauna Jetzt stand sie in Gerstungen am Mikrofon und stellte sich entschieden gegen den Umweltskandal und seine Auswirkungen. Sie bezeichnete die Geschehnisse durch K+S als „einen der größten Umweltskandale“ und forderte den Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus zu einem Bad in der Werra auf, aus dem er dann als Salzhering herauskäme. Denn der ließe sich durch die Drohung von K+S mit dem Abbau von Arbeitsplätzen (11.000 Beschäftigte, 2,8 Milliarden Jahresumsatz) erpressen.
Bereits jetzt gilt die Werra mit der Einstufung in die Gewässergüteklasse II bis III als kritisch belastet, nach europäischem Recht der Wasserrahmenrichtlinie ist sie sogar in die schlechteste Gewässerkategorie V einzustufen. Doch verantwortliche Politiker berufen sich auf Grenzwerte aus dem Jahr 1942 mit einem Höchstwert von 2500 mg Chlorid pro Liter.
Chloridgehalt
selbst in der Mittelweser Bis zum Jahr 2012 ist dieser Wert genehmigt. Nach der Wende wurde die Werra für 75 Millionen Euro entsalzt. „Als gebürtiger Gerstungen und Werra-Anlieger habe ich im Jahr 1962 oder 1963 das einzige und letzte Mal eine zugefrorene Werra erleben dürfen“, klagte Bürgermeister Werner Hartung. Jetzt liegt der Chloridgehalt selbst in der Mittelweser zwischen 250 und 400 mg. Am Pegel Porta wurden am 5. März 371 mg gemessen – bei Hochwasserverdünnung!
Statt den Produktionsabfall untertage in den Abbauhohlräumen nachhaltig zu entsorgen, werden alte Gruben gewinnbringend vermarktet: als Giftmülldeponie! Deren weltweit größte entstand unweit der Werra in Herfa/Neurode
Kalilauge
muss raus! Bereits im Oktober 2007 hat der Deutsche Kanu-Verband durch seinen Vizepräsidenten Hermann Thiebes fast 11.000 Unterschriften gegen die Versalzung der Werra an die Bundesinitiative „Rettet die Werra“ übergeben. Auch jetzt unterstützte Thiebes – und mit ihm der gesamte Deutsche Kanu-Verband – die Kundgebung durch seine Anwesenheit und in seinem Redebeitrag.
Pipeline-Bau Bisherige Protestkundgebungen haben bereits die Einrichtung eines runden Tisches erreicht – an dem allerdings wichtige Institutionen wie die Bürgerinitiative „Rettet die Werra“ und der Kanusport noch fehlen (dafür sitzen dort u. a. Vertreter des Tourismusverbands). Doch die neuesten Planungen, eine 63 km lange Pipeline zum bequemeren Transport der Salzlauge bis in die Werra zu bauen, veranlassten die deutschen Kanusportler auf Initiative des Kanu-Clubs Rennsteig zu einer erneuten Demonstration mit Protestfahrt auf der Werra. Zahlreiche Umweltvertreter unterstützten die Aktion, die Freiwillige Feuerwehr stellte dafür ihr Grundstück zur Verfügung. Es reicht jetzt allen!
Salzwüste Enttäuscht von der Hessischen Landesregierung äußerte sich Stephan Grunewald: „Sechs Jahre lang hat der Hessische Kanu-Verband sich mit dem Regierungspräsidium Kassel wegen Befahrungsregelungen auf den Gewässern auseinandergesetzt. Immer wieder wurden wir damit getröstet, dass wir doch auf Großschifffahrtsstraßen und auf die Werra ausweichen könnten!“ Das gleiche Regierungspräsidium lässt jetzt die Kalilauge in die Werra einleiten ...
Bericht von Uschi Zimmermann |