Kanu-Club Rennsteig e.V.  

Hörschel / Werra

 

Protest vom 1.Mai 2008

Das Salz muss raus!

Über 200 Paddler aus ganz Deutschland demonstrierten gegen Werra-Versalzung

Gerstungen/Hörschel. Das Salz ist Schuld - ein aktuelles Gutachten des Instituts für Gewässerökologie und Fischereibiologie Jena belegt eindeutig den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Artenvielfalt und der Salzeinleitung der K+S AG in die Werra. Immer noch werden dadurch über 450 Kilometer Flusslauf von Werra und Weser massiv geschädigt.

Für die Gemeinde Gerstungen, zahlreiche Politiker aller Couleur (nur die CDU war der Einladung nicht gefolgt), Umweltschützer und vor allem für die Kanusportler war dieser schlechte Zustand der Werra auch 2009 wieder Anlass zu einer Protestkundgebung. Die Organisation hatten zum zweiten Mal der Kanu-Club Hörschel unter seinem Vorsitzenden Gerhard Liebau mit Unterstützung durch die Gemeinde Gerstungen übernommen. Auch der Deutsche Kanu-Verband stellte sich hinter deren Forderungen. DKV Vize Hermann Thiebes bot jegliche Unterstützung an und machte beim Kanutag in Kassel nochmals ausdrücklich auf die Demonstration und den Zustand der Werra aufmerksam.

Hermann Thiebes

Über 200 Paddler aus zwölf Landes-Kanuverbändenund rund 50 Vereinen vom tiefen Süden bis zum hohen Norden Deutschlands bekundeten ihre Empörung über die Salzeinleitungen der K+S AG in die Werra, darunter DKV-Vizepräsident Freizeitsport Hermann Thiebes sowie die Präsidenten des Landes-Kanuverbände Baden (Hajo Popken) und Bremen (Norbert Köhler). Auch Vizepräsidentin Sigrid Straub (Bayern), Stefan Grunewald (Referent Umwelt des Hessischen Kanu-Verbandes) und vom Thüringer Kanu-Verband Wanderwart Jürgen Schilling und Umweltreferentin Helge Birnstiel demonstrierten für eine saubere Werra nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie. Doch auch rund 200 Bürger machten ihrem Unmut über die Entsorgungspraxis Luft.

Die bevorstehende Inbetriebnahme einer Müllverbrennungsanlage im hessischen Heringen bereitet den Werra-Anwohnern zusätzlich Sorge, denn sie könnte die Luft in der Region schädigen. „Ohne den Protest von der Werra bis zur Weser hätten sich die Landtage nicht mit dem Problem befasst und die Müllverbrennungsanlage wäre schon vor zwei Jahren in Betrieb gegangen“, fasste Klaus Reinhardt, der Chef der länderübergreifenden Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Werratal“, den Sinn der Demonstrationen in Worte.

Der Gerstunger Bürgermeister Werner Hartung zog vor mahnenden Transparenten – im Angesicht der „Werranixe“ - Bilanz über die Zeit seit der ersten Protestaktion vor einem Jahr. Zwar habe sich der viel zu hohe Salzgehalt der Werra im letzten Jahr

nicht verringert, meinte er, aber es gab doch kleine Erfolge: Gegen den Willen der Kali+Salz und der Thüringer Behörden habe man ein Verbot durchgesetzt, weiterhin Lauge in den Untergrund (Plattendolomit) zu versenken. „Das Salz muss raus“ – Gemeinsam mit einem Paddler (Walter Mutterer vom KC Donauwörth) übergab Hartung der Werra eine Flaschenpost mit Botschaften.

Doch der öffentlich-rechtliche Vertrag zum Kali-Abbau erlaubt auch in den nächsten 30 Jahren noch die Einleitung von Rückständen aus der Kaliproduktion in die Werra. Dirk Adams (Bündnis 90/Die Grünen),der für die leider verhinderte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring- Eckardt ( Wurde zum gleichen Zeitpunkt zur Präses der EKD gewählt)einsprang, griff deshalb die Thüringer Landesregierung an, die das zulässt.

Noch vor einigen Jahren haben die Landesbehörden viel Geld dafür ausgegeben, die Werra für die touristische Kanunutzung flott zu machen. Jetzt versammelten sich die Bootsverleihe und Kanutouristik-Unternehmen mit den anderen Akteuren in Gerstungen und stimmten gegen das Salz in der Werra. Flecken auf der Kleidung wie im Mittelmeer sind die Folgen, die ihre Klientel, aber auch die Kanusportler bei ihren Bootsfahrten als umgehende Folge der Salzeinleitung zu spüren bekommen. 

Freiwillig geht in dieser Salzlauge niemand baden. Einige Demo-Teilnehmer der Linken machten den ultimativen Soforttest zu den Folgen eines Bade-Unfalls, als sich ihr selbst gebasteltes Floß auf der Werra in Selbstgefallen auflöste (ohne Einflussnahme der K+S AG) ...

 

Denn zum Abschluss der Protestaktion ließen die Paddler und viele andere Demonstranten ihre Boote zu Wasser und paddelten die Werra abwärts. Dass als symbolisches Zeichen der Hoffnung ein Schwarm Brieftauben gen Himmel stieg, haben viele von ihnen schon gar nicht mehr bemerkt. Aufbruchstimmung auf dem Wasser – Aufbruchstimmung und Umdenken auch in der Politik? Die Gemeinde Gerstungen und der Kanu-Club Rennsteig werden jedenfalls nicht nachlassen, weiter für eine saubere, salzfreie Werra zu kämpfen.

Fotos: Philipp Cerny, Sigrid Straub / Bericht Uschi Zimmermann

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